Die Einzigartige

Gemeine Sichelschrecke

Phaneroptera falcata

Nom francais: Phanéroptère commun
English Name: Sickle-bearing Bush-cricket

Jede Heuschrecke ist einzigartig und hat ein Recht auf Leben. Es gibt keinen vernünftigen Grund für uns Menschen, den Heuschrecken in unseren Breiten etwas zuleide zu tun. Der aus dem Elsass stammende Arzt Albert Schweizer hat uns diesbezüglich eine wichtige Erkenntnis wunderbar formuliert: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Wie kein anderes Wesen auf dieses Erde ist der Mensch in der Lage anzuerkennen, dass andere Arten ebenso ein natürliches Recht auf Leben haben.


In der Biologie sprechen wir auch dann von Einzigartigkeit, wenn alle Individuen einer Art ein Merkmal aufweisen, das andere Arten so nicht besitzen. Wenn dieses einzigartige Merkmal sehr auffällig ist, dann fällt es uns leicht, anhand dessen eine Art sicher zu bestimmen.

Lange Zeit war dies bei der Gemeinen Sichelschrecke (Phaneroptera falcata) der Fall. Das Merkmal, das ich meine, erkennt auch ihr sofort: Die beiden Deckflügel (Hinterflügel), die bei den Heuschrecken auf den darunterliegenden Flugflügeln (Vorderflügeln) liegen, sind bei der Gemeinen Sichelschrecke deutlich kürzer als die Flugflügel, mit dem Ergebnis, dass die Flugflügel hinten weit über die Deckflügel hinausragen. Die Köperlänge der Tiere variiert zwischen 13 und 18 mm. Die Deckflügel reichen etwas über die Körperlänge hinaus, die Flugflügel weit mehr, fast eine ganze Köperlänge.

 

Starre stabile Deckflügel haben die Funktion, die darunter liegenden Flugflügel zu schützen. Das kennen wir auch von Käferarten, z.B. vom Hirschkäfer oder vom Mistkäfer. So gesehen ist es für uns überraschend, dass die Deckflügel bei der Sichelschrecke diese Funktion nur teilweise erfüllen. Die Gründe dafür sind uns, wie so Vieles in der Natur, nicht unmittelbar einsichtig.
 

Das Flügelmerkmal der Gemeinen Sichelschrecke war lange Zeit in der Heuschreckenfauna des Pfälzerwaldes einzigartig. So war es leicht, Phaneroptera falcata von anderen Heuschrecken-Arten zu unterscheiden. Im Jahr 2003 wurde dann allerdings festgestellt, dass sich eine andere Phaneroptera-Art, die Vierpunktige Sichelschrecke (Phaneroptera nana) von Süden kommend in der oberrheinischen Tiefebene ausbreitet. Den Ostrand des Pfälzerwaldes hat die Schwesternart bereits erreicht.  Die beiden Arten unterscheiden sich zwar in der Form ihres Halsschildes,  der Geschlechtsorgane und der Hinterleibsanhängsel (Cerci), aber die Unterscheidung fällt schwer. Tiere müssen dazu gefangen oder aus nächster Nähe fotografiert werden.
 

Phaneroptera falcta lebt vorzugsweise auf wenig gepflegten Wiesen, in Brachen und krautigen Säumen. Die sich neu ausbreitende Phaneroptera nana besiedelt vorzugsweise Sträucher und Hecken. Beide singen sehr leise in der Dämmerung und in der Nacht.
Einzigartig ist das beschriebene Merkmal immer noch, nun mehr bezieht sich dies jedoch auf die Gattung Phaneroptera. Mit anderen Worten: Im Biosphärenreservat gibt es eine Gattung mit deutlich kürzeren Deckflügeln und sehr langen Flugflügeln.  Diese Gattung umfasst zwei Arten. Alles klar soweit?

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